Wie mich ein gebrauchtes Canyon Grizl CF SL 6 AXS von 2024 zum überzeugten Gravel-Fahrer gemacht hat
Ich bin eigentlich Mountainbiker. War ich zumindest. Dann kam ein Probefahrrad, eine elektronische Schaltung — und plötzlich war nichts mehr wie vorher.
Jahrelang bin ich Mountainbike gefahren, gelegentlich, ohne große Ambitionen, aber mit viel Freude. Dann hat mich jemand überredet, mal ein Gravel Bike auszuprobieren. Ich war skeptisch. Was soll ein Rad, das weder richtiges MTB noch richtiges Rennrad ist?
Nach der ersten Ausfahrt hatte ich die Antwort. Ein Gravel Bike kombiniert das Beste aus zwei Welten: Man ist nicht auf Asphalt beschränkt — Schotter, Feldwege, leichtes Gelände, alles geht. Und gleichzeitig kommt man auf der Straße erstaunlich zügig voran. Nicht Rennrad-schnell, aber völlig ausreichend. Deutlich angenehmer als mit dem MTB auf längeren Strecken.
Das Probefahrrad hatte eine elektronische Schaltung. Ich war bis dahin ein klassischer Kettenwechsel-per-Hand-Typ. Aber dann dieser erste Klick — präzise, lautlos, ohne jedes Nachjustieren. Das war der Moment, an dem ich wusste: Wenn ich mir ein Gravel Bike hole, dann nur mit E-Shifting.
Elektronische Schaltungen sind allerdings kein Schnäppchen. Neue Räder mit SRAM AXS oder Shimano Di2 kosten schnell das Doppelte eines mechanisch geschalteten Bikes. Dann tauchte auf Job Loop ein gebrauchtes Angebot auf — und ich habe ohne langes Zögern zugeschlagen.
Das Canyon Grizl CF SL 6 AXS aus dem Modelljahr 2024 ist Canyons Antwort auf die Frage: „Was, wenn ein Gravel Bike wirklich alles können soll?" Der Rahmen ist aus hochwertigem Carbon gefertigt und wiegt weniger als ein Kilogramm — gleichzeitig ist er robust genug für ruppiges Terrain.
Die Geometrie nennt Canyon intern „Gravel Pro": etwas aufrechter als ein Rennrad, aber nicht so entspannt wie ein Trekkingrad. Der verlängerte Radstand sorgt für Laufruhe auf Schotter, ohne das Handling auf der Straße zu beeinträchtigen. Das Bike kommt mit einer 1×12-fach SRAM Apex XPLR AXS Elektronikschaltung, hydraulischen Scheibenbremsen und einem robusten Carbonrahmen — und genau das hat mich überzeugt.
Blöderweise war es November, als das Rad ankam. Zu kalt zum Fahren — aber so ein Bike kann man nicht einfach unbeachtet in der Ecke stehen lassen. Also habe ich die Zeit genutzt und die Reifen auf Tubeless umgerüstet. Ventile tauschen, Dichtmilch rein, fertig. Ob es etwas bringt? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Ich wollte mich einfach mit dem Bike beschäftigen — und das war genug.
Die DT Swiss Gravel LN Felgen sind tubeless-kompatibel, das macht die Umrüstung unkompliziert. Und optisch machen die roten Presta-Ventile definitiv was her.
Frühjahr. Erster halbwegs sonniger Tag. Ich bin viel zu früh losgefahren — in viel zu dünner Kleidung, bei viel zu kalten Temperaturen. Was ich in der Theorie wusste (richtige Ausrüstung ist alles), habe ich in der Praxis direkt ignoriert. Die Tour fiel entsprechend kurz aus.
Aber seltsamerweise hat genau das die Freude am Radeln noch größer gemacht. Ich wollte mehr. Ich wollte es richtig machen. Ich wollte endlich wissen, was dieses Bike wirklich kann.
Dann kam dieser eine Frühlingstag. Sonne, kaum Wind, der Boden trocken. Ich bin raus Richtung Felder, halb Asphalt, halb Schotterweg — und habe verstanden, warum Menschen Gravel so lieben.
Das Grizl ist Canyons Abenteuerwaffe der Wahl — designed für lange Distanzen und grobes Terrain. Aber auch für eine entspannte Runde durch die Felder südlich von München ist es ein Genuss. Der Rahmen schluckt Vibrationen, die Schaltung reagiert auf Knopfdruck, und man sitzt einfach richtig.
Mal schauen, wie lang die Begeisterung anhält. Aber ich glaube, das Gravel Bike ist gekommen, um zu bleiben. Das Canyon Grizl CF SL 6 AXS trifft für mich genau den richtigen Punkt zwischen Alltag und Abenteuer — und die elektronische Schaltung macht jede Ausfahrt zu einem kleinen Stück Luxus.
Wer noch zwischen MTB und Gravel schwankt: Einfach mal ausprobieren. Und wenn das Testbike eine E-Schaltung hat — Vorsicht. Die Gefahr der Begeisterung ist hoch. 😄
Das Grizl hat inzwischen einen zweiten Charakter bekommen: Warum ich einen Rennradsatz für mein Gravelbike gekauft habe →