
Ein Trainingsaufbau aus der Vorbereitungsphase — wenn sich der Kader neu findet und Automatismen erst wieder entstehen müssen.
In der Vorbereitungsphase hat sich fast jede Mannschaft neu zu finden: Zugänge, Abgänge, ungewohnte Konstellationen im Rückraum. Genau in dieser Phase lohnt es sich, Abläufe zu trainieren, die im Trainingsbetrieb zwangsläufig monoton wirken — aber genau diese Wiederholung schafft später die Selbstverständlichkeit, auf die man sich im Spiel verlassen können muss.
Diese Einheit verbindet zwei Ziele in einer Übung: eine feste Rückraum-Standardbewegung im Angriff und — parallel dazu, quasi als Abfallprodukt derselben Übung — das Timing der Kreisläufer-Übergabe in der Abwehr. Beides sind Automatismen, die sich nur über Wiederholung setzen.
| Phase | Dauer |
|---|---|
| Erwärmung (allgemein + athletisch) + Torwart-Einwerfen | 20 Min |
| Übung 1 — Standardbewegung Rückraum + Kreisläufer-Wechselsperre | 25 Min |
| Übung 2 — 4:4, Kreuzen | 20 Min |
| Übung 3 — Tempoläufe mit Gegenlaufen | 15 Min |
| Übung 4 — 6:6 mit Überzahl-Mechanik | 25 Min |
| Abschluss — freies Spiel 6:6, Spezialistenwechsel | 15 Min |
Aufbau: In der Abwehr stehen Mittelblock und der halblinke Verteidiger. Im Angriff agieren Rückraum-Mitte (RM), Rückraum-Rechts (RR) und der Kreisläufer.
Skizze vom Spielfeldrand.
Zwei Punkte entscheiden über die Qualität der Bewegung, unabhängig vom tatsächlichen Ausgang: RM muss beim Anzug wirklich glaubhaft auf Durchbruch gehen, sonst bindet er niemanden und der ganze nachfolgende Raumgewinn entfällt. Und RR muss bewusst breit stehen, um überhaupt maximalen Raum für den späten Start zu haben.
So entsteht eine durchgehende Kettenlogik: RM bindet innen, RR bindet außen, der Außenspieler bekommt am Ende die Freiheit.
Für die Abwehr ist diese Übung in erster Linie ein Timing-Training. Konsequent auf den Ballführenden orientiert, liegt der eigentliche Schwerpunkt auf Geschwindigkeit und Präzision bei der Übernahme des Kreisläufers:
Bei ausreichender Spieleranzahl lohnt sich beidseitiges Üben: erst die RR-Seite aufbauen, dann spiegelbildlich die RL-Seite.
Rückraum-Links, Rückraum-Mitte, Rückraum-Rechts und Kreisläufer spielen gegen Mittelblock und Halbverteidiger (jeweils zwei Abwehrspieler). Die Vorgabe für den Angriff lautet Kreuzen unter den Rückraumspielern.
Diese Übung überträgt zwei Dinge aus Übung 1 in eine dynamischere, freiere Form: Für die Abwehr entstehen permanente Kreisläufer-Übergabe- und -Übernahmesituationen — jetzt ohne festen Ablauf, sondern im laufenden Spiel. Für den Angriff steht sauberes Kreuzungsspiel im Vordergrund.
Spieler 1 startet in die erste Welle und erhält den Pass von Torwart 1 zum Abschluss. Spieler 2 spielt zunächst seinen eigenen Ball zu Torwart 2 und startet erst danach in die erste Welle. Spieler 1 dreht nach seinem Abschluss um, verfolgt Spieler 2 und versucht, den Pass von Torwart 2 zu unterbinden.
Der Reiz dieser Übung liegt im doppelten Rollenwechsel: Angreifer im ersten Moment, Verfolger im nächsten — eine realistische Anforderung nach jedem eigenen Abschluss im Spiel.
Team 1 greift an, bis der Abschluss fällt oder der Trainer pfeift. Der Ballführer muss nach Abschluss oder Pfiff sofort abschließen und in den Gegenstoß gehen. Zusätzliche Regel: Der Spieler, der abgeschlossen hat, muss vor dem Rückzug in die eigene Abwehr den Pfosten berühren — dadurch entsteht eine kurzzeitige Überzahl, die Team 2 sofort ausnutzen kann.
Der Trainer pfeift bewusst regelmäßig früher als das natürliche Spielende, um den Tempogegenstoß gezielt zu provozieren. Nach dem Gegenstoß bekommt Team 2 im Gegenzug einen zweiten Angriff mit denselben Regeln — für die Symmetrie im Training.
Zum Ausklang freies Spiel mit der Möglichkeit, Spezialistenwechsel zu üben — bei Bedarf auch der Wechsel über den Torwart.
Der Wert dieser Einheit liegt nicht in spektakulären Spielformen, sondern darin, dass eine einzige, klar definierte Standardbewegung konsequent durch mehrere Belastungsstufen getragen wird — von der isolierten Übung bis ins freie 6:6. Genau diese Wiederholung unter wachsendem Druck ist es, die aus einer neu zusammengestellten Mannschaft in der Vorbereitungsphase wieder eine Einheit mit gemeinsamen Automatismen macht.